
Erziehung und Bildung
Ansatz der ganzheitlichen Erziehung und Bildung in unserem Kindergarten
Was konkret unter ganzheitlicher Erziehung und Bildung zu verstehen ist soll im Folgenden anhand eines konkreten Beispiels dargestellt werden:
Wir backen mit den Kindern
Zunächst sieht dies für den Betrachter nach einer einfachen hauswirtschaftlichen Tätigkeit aus. Dennoch werden hier durch geplantes pädagogisches Handeln alle Bildungsbereiche angesprochen:
1. Bildungsbereich: Bewegung
- Die Kinder tragen die notwendigen Materialien herbei und räumen sie später wieder auf. Wie viel kann ich tragen, ohne dass etwas herunter fällt? Wie vorsichtig muss ich gehen?
- Beim Spülen des benutzten Geschirrs lernt das Kind wichtige Bewegungsabläufe.
- Mehl sieben - eine anspruchsvolle Tätigkeit bei der die Bewegungsabläufe beider Hände gut koordiniert sein müssen.
- Ei aufschlagen: Wie fest oder vorsichtig muss ich vorgehen? Erst mit häufiger Wiederholung und einem entwickeltem Feingefühl wird dies gut gelingen!
- Wie bewegt sich das flüssige Ei in der Teigmasse? Wie fließt es aus der Schale?
- Teig kneten – eine hervorragende Übung für die Handmotorik
2. Bildungsbereich: Spielen, Gestalten und Medien
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Durch ein Rezept z. B. in einem Kinderkochbuch oder entsprechend gestaltete Rezeptkarten wird den Kindern zum einen der praktische Nutzen hiervon, sowie der angemessene Umgang damit bekannt und geläufig.
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Das Gebäck kann fantasievoll gestaltet oder dekoriert werden.
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Wir spielen „In der Bäckerei“
3. Bildungsbereich: Sprache
- Alle Zutaten und Arbeitsmittel werden benannt
- Arbeitsabläufe sprachlich begleitet
- Durch das Rezept wird erste Erfahrung mit Schriftsprache gesammelt.
- Die Kleingruppe wird während der Backaktion im Gespräch sein z.B. über die Tätigkeit, aber sicher auch über einzelne Vorerfahrungen.
- Die Verbindung zwischen Sprechen und Handeln unterstützt die Merkfähigkeit und damit den Spracherwerb.
- Durch das Spiel „In der Bäckerei“ wird alles Erlernte und Bekannte zu diesem Themenzusammenhang aktiv angewendet und Neues dazu gelernt
4. Bildungsbereich: Natur- und kulturelle Umwelten
- Sachwissen über die eingesetzten Zutaten wie Mehl, Eier, Milch u.s.w.
- Wo kommen die Zutaten her? Wo kaufe ich sie ein?
- Wissen über ökologische Zusammenhänge kann entsprechend mit einfließen.
- Wer stellt Gebäck her?
- Welche Nahrungsmittel braucht unser Körper?
- Wie schmecken die Zutaten, das fertige Gebäck.
- Wie riecht es und wie fühlt es sich an?
- Interesse für einen Ausflug in die Bäckerei wecken
Während der gesamten Tätigkeit werden bei allen Kindern in den einzelnen Bildungsbereichen wichtige Wahrnehmungserfahrungen, soziale Beziehungen, Beziehungen zur sachlichen Umwelt, innere Verarbeitungsvorgänge, forschendes Lernen sowie der Umgang mit Komplexität und Lernen in Sinnzusammenhängen gefördert und gezielt angeregt.
Gehen wir jetzt noch davon aus, dass diese Backaktion nicht isoliert stattfindet, sondern eingebettet in ein Gesamtprojekt bzw. Thema ist, zeigen sich vielfältige Erfahrungs- und Lernfelder. So kann jedes einzelne Kind da abgeholt werden, wo es steht und in seiner weiteren Entwicklung begleitet und gefördert werden. Stärken können zum Wohle der Gruppe genutzt und hervorgehoben werden. Die Kinder lernen voneinander und sich selbst einzuschätzen.
Vergleichen wir nach Betrachtung dieses ganzheitlichen Ansatzes nun die Lernmöglichkeiten der wieder in Mode gekommenen Vorschulmappen aus den 70er Jahren:
Hier werden einzelne Arbeitsblätter zu bestimmten Themen bearbeitet. Die Kinder sitzen mit Schere, Kleber und Stiften am Tisch und bearbeiten in Einzelarbeit das jeweilige Arbeitsblatt nach Anweisung. Die Backzutaten aus unserem Beispiel blieben auf eine Darstellung reduziert. Sie werden ausgeschnitten, in der richtigen Reihenfolge sortiert aufgeklebt. Welch vielfältige Lern- und Lebenserfahrung hier versäumt werden, zeigt sich, wenn wir nur die Bereiche Bewegung und Sprache betrachten.
Bewegung reduziert sich auf Ausschneiden und Aufkleben, Sprache auf Verstehen von einer Arbeitsanweisung. Aber was ist die thematische Auseinandersetzung mit Essen bzw. Gebäck ohne den Geruch der einzelnen Zutaten, ihr Geschmack, das Anfühlen , das geduldige Warten vor dem Backofen, der leckere Duft, der durch das ganze Haus zieht und das gemeinsame Essen in der vertrauten Gruppe? Unsere Antwort kann deshalb nur heißen:
Lernen im Kindergarten heißt grundsätzlich ganzheitliches Lernen - auch im letzten Jahr vor der Schule.
(Erstellt im Rahmen eines Konzepttages des Pädagogischen Teams im Januar 2006, Elternabend für Eltern der Maxis und Midis zu diesem Thema im Frühjahr 2006, im Rat der Tageseinrichtung am 12.06.2006 verabschiedet.)

